Ich als Mann

Es gibt Sätze, die ich nicht sagen kann. Oder anders: Es gibt Sätze, die ich nur theoretisch sagen kann. Also in meinem Kopf geht das, aber praktisch (also so richtig mit Luftausstoßen und Zunge und allem) will es nicht so richtig klappen. Es ist kein anatomisches Problem. Ich glaube, es hat eher was mit der Gesellschaft zu tun. Vielleicht bin ich im sozialen Leben ein bisschen zu sensibel.

Einer dieser Sätze, die ich nicht sagen kann, lautet: „Mich als Mann macht das betroffen.“ Das geht mir ganz schwer über die Lippen. Es fällt mir sogar leichter zu sagen: „Mich als Frau macht das betroffen.“ Dabei glaube ich gar nicht, dass ich eine Frau bin. Wie gesagt, anatomisch ist alles in Ordnung.

Natürlich gibt es mehr als genug Gefühle, auch für mich als Mann. Ich kann zum Beispiel ohne Weiteres sagen: „Als Mann fürchte ich die drohende Regulierung der Prostitution“ oder „Mir als deutschem Mann ist der Frauenfußball immer fremd geblieben. Aber dafür liebe ich Spaxschrauben.“ Oder ich könnte sagen: „Als Mann schätze ich natürlich etwas mehr Holz vor der Hütte. Sie verstehen: Titten. Möpse. Hupen.“ Solche Sätze gehen mir ganz leicht von der Zunge. Dabei sind das Sachen, die ich wirklich nicht gerne sage.

Es scheint, als stünde mir als Mann nicht die gesamte Gefühlspalette unserer schönen Sprache zur Verfügung. Ich will kein Mitleid, ihr müsst auch nicht direkt empört euren Twitter-Account anschreien. Aber vielleicht lässt dieser Blogpost diejenigen unter euch, denen das möglich ist, ein klein wenig betroffen zurück.

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