Verteidigung der Erektion

Heute las ich, dass ein junges Paar wegen „Erregung Öffentlichen Ärgernisses“ – verurteilt wurde. Genauer: wegen sexueller Handlungen in einem Erlebnisbad. Der 18-jährige Mann muss zwei Wochen in den Jugendarrest, die 19-jährige Frau wurde zu einem Wochenende Arrest und 32 Sozialstunden verurteilt. Das Augsburger Amtsgericht sah es (auf einem Video) als erwiesen an, dass am zweiten Weihnachtstag des letzten Jahres, in einem Schwimmbecken namens „Erlebnisgrotte“, wenn nicht schon Geschlechtsverkehr, dann doch in jedem Falle die schon genannten „sexuellen Handlungen“ verübt wurden.

Grundsätzlich kann ich verstehen, dass dergleichen bestraft wird. Ich als verklemmter Katholik finde es meist auch nicht so toll, wenn Menschen neben mir Sex haben. Aber mein Gott, es war Weihnachten, das Fest der Liebe, und irgendwo müssen die Hormone ja hin. Ein Hausverbot hätte es sicherlich auch getan.

Was ich interessant an dem Fall finde, ist das Strafmaß. Der Mann kriegt zwei Wochen Arrest, die Frau nur ein Wochenende. Der Angeklagte behauptete, ihm sei die Hose heruntergerutscht, einer der Zeugen hat ausgesagt: „Er hatte die Hose runtergezogen bis unter die Knie. Man hat alles genau sehen können.“ Na ja, aber was denn? Vermutlich eine Erektion. (Entschuldigt bitte meine Sprache.) Und dann war da ja noch die Rede von sexuellen Handlungen. Also Erektion+sexuelle Handlungen=2 Wochen Jugendarrest.

Nun ist es aus eigener Erfahrung, (wenn einem die Hose eh schon heruntergerutscht ist,) ratsamer, sexuelle Handlungen von einer 19-jährigen an sich ausführen zu lassen, als von sich selbst – sofern sie denn willens und vorhanden ist. Beides war in der Erlebnisgrotte offenbar der Fall. Und das Wort „Handlungen“ steht eher in Verwandtschaft zum Wort „Hände“ als zu den Wörtern „Erektion“ oder „Durchblutung“. Das Wort „handeln“ ist zudem ein Synonym von „machen, tun, agieren“ – also ein aktives Verb, während die Erektion in dem Alter durchaus auch einfach mal vorkommen kann.

Kann man also tatsächlich davon ausgehen, dass die Hauptschuld beim Angeklagten liegt? Oder mit anderen Worten: Ist es gewagt, kritisch nachzufragen, warum einer Erektion ein größerer Vorsatz im Zuge einer sexuelle Handlung unterstellt wird als der Handhabung derselben?

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