Die Traurigkeit der Bürgersteige

Ich werde gerne angelächelt. Auch ganz spontan mal, z.B. von Passanten auf der Straße. Ich bin nicht misstrauisch und befürchte nicht, dass der Lächler nur lächelt, weil er mir  einen Bausparvertrag andrehen, mich zu einem Revolverheld-Konzert einladen oder noch Schlimmeres antun will. Alles sehr unwahrscheinlich, denke ich mir, und lächele freundlich zurück. Das klingt erstmal üblich, ist es aber leider nicht.

Große Teile der Gesellschaft, zum Beispiel viele Frauen, gucken weg, wenn ich ihnen begegne. Meistens lächele ich sie gar nicht an, zwinkere ihnen nicht zu oder dergleichen,  sondern sehe ihnen nur ins Gesicht. Ich sehe mir gern die Menschen an, denen ich begegne und zugegeben, ich sehe mir gerne Frauen an. (Ein paar von ihnen sehen sehr schön aus, achtet mal drauf.)
Jedenfalls gucken diese Frauen mich aus einer gewissen Entfernung auch an, aber dann, wenn wir nur noch ein paar Meter entfernt sind, kramen sie ihr Handy heraus, konzentrieren sich auf den Boden oder finden eine Hauswand sehr interessant.

Eine treue Freundin meint, das habe nichts mit mir im Speziellen zu tun. Frauen würden Männern im Allgemeinen misstrauen, weil ein Zurückblicken von vielen Männern als Aufforderung zu einem Gespräch, Geschlechtsverkehr oder sogar spontanen Eheschließung interpretiert würde. Wenn Frauen alle Männer, deren Blick sie auf dem Bürgersteig ausweichen, zurück ansehen und vielleicht sogar auf das ein oder andere Lächeln reagieren würden, liefen sie Gefahr, niemals an ihr Ziel zu kommen. Frauen haben keine Zeit, ständig zurückzugucken oder zu lächeln und folgende Angebote und Anträge auszuschlagen. Sie müssen schließlich arbeiten, Volleyball spielen, ihr Tinder-Profil pflegen undsoweiter. Es gebe ja so viel zu tun im 21. Jahrhundert.

Ich habe natürlich Verständnis für Frauen, die weggucken, würde aber lieber auf Bürgersteigen gehen, auf denen etwas mehr Vertrauen herrscht. Daran musste ich denken, als ich eine Zeit lang in Berlin-Schöneberg wohnte. In Schöneberg wohnen dem Vorurteil nach viele Homosexuelle. Vorurteile sind erfrischend oft zutreffend, stellte ich fest, als ich feststellte, dass ich auf den Bürgersteigen nicht selten von Männern gemustert, teils auch angelächelt wurde.

Ich war mit einem Male in der Alltags-Situation einer Frau. Es war mir ungewohnt, aber man kann den Frauen auch mal ein Vorbild sein, dachte ich und habe mein Handy nicht herausgeholt, nicht zur Seite geguckt, sondern zurück gelächelt. Und was war? Alles halb so schlimm. Keiner der Männer hat mir einen Bausparvertrag, Geschlechtsverkehr oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft angedreht. Wir sind einfach aneinander vorbei gegangen – freundlich und schön.

Das ist natürlich keine Entwarnung, liebe Frauen Berlins. Natürlich passiert ihr täglich auch Haudegen und Tunichtgute, aber bei mir könnt ihr getrost ein Auge zudrücken. Heiraten will ich keine von euch – das ginge mir zu schnell.

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Ein Gedanke zu “Die Traurigkeit der Bürgersteige

  1. blogeinträge sind nicht immer gut, stellte ich fest, als ich feststellte, dass außer selbstverliebten subtexten hier nicht viel holen ist. nice try 🙂

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