Petzen gegen Hetzer

Heute sah ich meiner Facebook-Timeline folgenden Post.

tugend

Um das vorweg zu nehmen: Ich kenne mich mit kenFm nicht gut aus. Ich weiß, dass Ken Jebsen Pegida und dem Verlag Compact nahe steht, also Leuten die gerne Wörter wie „Verschwörung“ oder „Deutschland“ sagen. Ich halte es daher zumindest auch für möglich, dass auf seiner Seite antisemitische Inhalte gepostet werden. Immerhin musste er ja auch wegen antisemitischer Aussagen seinen Job beim RBB aufgeben. In diesem Blogpost geht es mir aber nicht um kenFM, sondern nur um eine kleine Stil-Analyse des abgebildeten Facebook-Posts.

Die sechs angesprochenen und verlinkten Facebook-Freunde der postenden Person (nennen wir sie A.) werden darin gefragt, ob sie sicher wären „die antisemitische unendlich dumme kackscheiße kenFM“ liken zu müssen. Die Wertung „kackscheiße“ deutet darauf hin, dass es sich nicht eigentlich um eine Frage handelt, sondern um eine Aufforderung, das doch besser nicht zu tun.

Wer sich mit Facebook auskennt, weiß, dass der Post auch in den Timelines anderer auftaucht. Ich zum Beispiel bin nicht mit A. befreundet (und kenne ihn auch nicht), sondern nur mit einer der genannten Personen auf Facebook. Von dieser weiß ich jetzt, dass sie kenFM geliket hat, eine Seite, von der ich wiederum erfahre, sie verbreite antisemtische kackscheiße, man sollte sie also besser nicht abonnieren. Denn, was wäre man dann? Vielleicht, aber das ist jetzt schon Interpretation, vielleicht wäre man selbst Antisemit, immerhin liket man ja die kackscheiße. Schreibt wer? Schreibt A., was wiederum zwölf Usern gefällt.

Wenn A. tatsächlich an einer Debatte mit seinen Facebook-Freunden interessiert wäre, könnte er die Chat-Funktion verwenden. Aber A. postet es lieber in seine Timeline, wo die Frage, die keine ist, öffentlich einsehbar ist – das heißt sogar von Leuten, die gar keinen Facebook-Account haben. Ich behaupte daher, A. möchte seine kenFM-likenden Freunde bloßstellen.

Und damit, finde ich, wurde eine Grenze überschritten. Denn ja, es gibt Grenzen, es gibt Grenzen des guten Geschmacks und Grenzen, was die Wahl der eigenen Waffen angeht. Und ich finde die öffentliche Diffamierung von Menschen sollte nicht leichtfertig gewählt werden. Sie hat übrigens auch überhaupt nichts mit der Verteidigung demokratischer Werte zu tun. Im Gegenteil, sie erweist ihnen einen Bärendienst.

Leuten wie Ken Jebsen und Konsorten, die ständig vom Tugendterror faseln, kann man doch nicht ernsthaft begegnen wollen, indem man seine Facebook-Freunde verpetzt. Zumal diese sich nichts zu schulden haben kommen lassen, als dass sie eine Seite abonniert haben, wie nebenbei eine Viertelmillion anderer Facebook-User auch. Wenn das etwas ist, wofür man öffentlich Prügel beziehen sollte, dann hätte Ken Jebsen vielleicht zum ersten Mal recht. Und das möchte ich nicht. Du etwa, lieber A.?

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