Framing – Chance oder Krise?

Meine Filterbubble hat ein neues Wort gelernt: „Framing“. Bei Wikipedia wird der linguistische Fachbegriff folgendermaßen definiert: „Framing (…) beschreibt den Prozess einer Einbettung von (politischen) Ereignissen und Themen in subjektive Deutungsrahmen durch massenmediale Akteure und politische Pressearbeit (…) Dabei wird eine bestimmte (politische) Thematik durch selektive Betonung und Akzentuierung sowie Attributierung bestimmter Merkmale dem Publikum auf eine bestimmte Art und Weise vermittelt.“

Linguisten haben also herausgefunden, dass man Sachen tendenziös darstellen kann, also so, dass sie eine bestimmte Haltung zum Sachverhalt mittransportieren. Deswegen sei framing gefährlich, sagen die Linguisten. Vor allem Journalisten sollten aufpassen, welche Wörter sie verwenden. Es könnten böse Wörter darunter sein, die man nicht verwenden sollte.

Z.B. das Wort Flüchtlingskrise, weil „Krise“ eine subjektive Wertung mittransportiere. Krise ist immer was Schlimmes und man müsse die vielfache Zuwanderung ja nicht negativ sehen. Dem stimme ich zu. Allerdings gehe ich weiter: Wir sollten das Wort „Krise“ generall aus dem Duden streichen. Es ist ja immer wertend, also tendenziös, also populistisch.

Deutschland hat was seine Schulden angeht, stark von der sogenannten Finanz-Krise profitiert. Und warum eigentlich Kuba-Krise? War man da nicht fies zu allen Konfliktparteien? Hätten Journalisten sich nicht spätestens nach dem Tod Castros für den ungerechten Begriff entschuldigen sollen?

Also von jetzt an lieber Flüchtlings-Chance, Finanz-Chance, Kuba-Chance! Das ist zugegeben auch ein bisschen tendenziös, aber mit dieser Etikettierung wäre man wenigstens kein Rechtspopulist. Denn darum geht es in der Debatte. Die Linguisten glauben, dass Hetzer uns mit ihren schlimmen Wörtern beeinflussen, und wir es nicht mal mitkriegen. Besonders Journalisten sollten auf der Hut sein. Ständig stehen sie in Gefahr, unbewusst auf die dunkle Seite der Macht zu wechseln. Seit Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausenden scheint eine Verschwörung im Gange.

Den „Wohlfahrtsauschuss“ der Jakobiner hätte man auch Terror-Regine nennen können, ebenso wie die „Große Proletarische Kulturrevolution“ Maos und – endlich haben uns Linguisten die Augen geöffnet – auch die „Endlösung der Judenfrage“ war in Wahrheit gar kein harmloses Sudoku. Auch in jüngerer Zeit setzen Politiker Begriffe, um die Diskussion in eigenem Sinne zu lenken, man denke nur an die „Herdprämie“, die doch eigentlich „Betreuungsgeld“ heißt.

Die Populisten sind also überall. Sie unterwandern unsere Sprache seit es Sprache überhaupt gibt. Jedes Kind kennt den Unterschied zwischen „Guckt mal. Sie weint!“ und „Guckt mal. Die heult!“ Das eine klingt neutral, vielleicht sogar mitleidig, das andere herablassend und spöttisch. Schon im frühesten Alter werden wir so indoktriniert!

Ich sehe es als meine Pflicht an, euch vor den Populisten zu schützen. Hier ein paar Beispiel für Framing in eurem Alltag. Schützt euch!

„Nase pudern“ ­– urinieren
„friedlich einschlafen“ – sterben
„Karneval“ – Besäufnis in Verkleidung
„Es liegt nicht an dir.“ – Es liegt an dir.
Haare, die „unten auseinander gehen“ – Spliss
„Ist dir nicht kalt?“ – Schlampe!
„Linguist“ – halbseidener Akademiker

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