Drama einer Kultur

Smudo, ein Rapper der Fantastischen Vier, hat auf einer Pressekonferenz eine Facebook-Sprecherin beleidigt. Er hat zu ihr gesagt, sie verhalte sich „wie eine Kakerlake, wenn das Licht angeht.“ Smudo wollte nämlich Licht ins Dunkle einer Frage bringen. Und zwar, wie viele Leute gerade damit beschäftigt sind, Facebook-Posts von rechten Hetzern zu löschen. Und weil die Facebook-Sprecherin die Frage nicht beantworten wollte, kam dann der Kakerlaken-Vergleich. Unschöne Sache, trotzdem bekommt Smudo gerade viel Applaus. Und zwar wo? Genau: Auf Facebook von Facebook-Usern. Weiterlesen

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Mehr Zeit für Ihre Liebsten – 7 Tipps

1. Gehen Sie sofort zu Punkt 7 über. Damit sparen Sie Zeit für Ihre Freunde und die Familie.

2. Verbringen Sie mehr Alltag mit Ihren Freunden. Putzen Sie doch mal mit ihnen Zähne. Bei sorgsamer Mundhygiene inklusive der Verwendung von Zahnseide sind das mindestens 2 mal 7 Minuten pro Tag, die Sie mit den Menschen verbringen, die Ihnen wichtig sind. Zudem vertiefen Sie ganz nebenbei täglich Ihre Freundschaft. Gemeinsame Hygiene schweißt zusammen. Weiterlesen

Wie ich dank der Bundeswehr zum Schreiben kam

Verehrte Bundeswehr,

heute vor fünf Jahren wurde die Wehrpflicht ausgesetzt. Ich bedaure das und ich möchte betonen, dass ich diese Entscheidung niemals unterstützt habe. Ich selbst habe den Kriegsdienst zwar verweigert, aber – das ist mir wichtig – stelle in keiner Weise den Sinn desselben in Frage. Im Gegenteil: Ich bin der Meinung, dass die Wehrpflicht wieder eingeführt werden sollte. Beim Anblick jüngerer Männer denke ich oft, dass sie überhaupt nicht wissen, wo sie im Leben stehen und was sie draus machen sollen und dass sie zu viel Wert auf ihre Frisuren legen. Ist es nicht das, wogegen die Bundeswehr über Jahrzehnte gekämpft hat? Weiterlesen

Re: Samstag, 28. November 19:00 Alte Kupferschmiede NIER + THE BRIBE & THE MOCKERY

Lieber Florian,

entschuldige bitte. Ungefähr zwei Mal im Monat bekomme ich eine ausführliche E-Mail von dir, aber ich habe dir bisher immer nur sehr kurz geantwortet. Ich schrieb dann meistens so etwas wie „Lieber Florian, würden Sie mich bitte aus Ihrem Verteiler nehmen?“ Klar, dass du darauf nicht reagiert hast. Es ist unhöflich, seine Freunde zu siezen. Deine E-Mails an mich leitest du immer mit „Liebe Freundinnen und Freunde“ ein. Weiterlesen

Wer Gentrifizierung sagt, will nur ficken

Ich habe 2/3 meines Lebens in einem westfälischen Dorf verbracht. Meine Erinnerung ist entweder lückenhaft – oder es ist wirklich sehr wenig passiert. Als Grundschüler verbracht ich viel Zeit damit, einen Gummiball gegen die Garagentore meiner Eltern zu schießen. Als Realschüler auch. Als Gymnasiast war ich dabei betrunken. Das war es mehr oder weniger.

Annäherung an das andere Geschlecht gestaltete sich schwierig. Zwar wollten alle knutschen und fummeln, aber uns wurde beigebracht, dass man sich davor kennen lernen müsste. Das war nicht leicht. Es gab keine Gesprächsthemen. Auf dem Dorf veränderte sich nichts. Sie haben irgendwann ein paar Bäume abgeholzt, die wir kindlich-euphemistisch „Wald“ nannten und drei Doppelhäuser und einen Spielplatz hingestellt. Das war die größte Veränderung, die ich in meiner Jugend erlebt habe. Ich glaube, mir hat das nicht geschadet. Ich schaukele ja auch gern. Weiterlesen

Das Internet ist katholisch

Ich war mal Ministrant. (Nein, hat nicht weh getan.) Das war so üblich in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Samstags Gras an der Bushaltestelle, sonntags Weihrauch am Altar. Was sollten wir auch machen? Wir hatten nicht nur nichts, wir hatten auch kein DSL. Auf dem Schulhof rotteten sich Banden zusammen, um gemeinsam die Telekom zu erweichen, endlich eines dieser schmerzlich vermissten Kabel zu verlegen. Ich glaube, dass der Reflex wegen aller unliebsamen Entwicklungen (Globale Erwärmung, Völkermord, Markus Lanz) eine Petition zu verfassen, von Menschen wie mir herrührt, die schon sehr früh eine Institution mit unablässigen Forderungen bedrängten, bis sie dann endlich da war: Die wundersam schnelle Verbindung. Weiterlesen